Neues Waldwiesen-Projekt im Schelder Wald gestartet

Auch in diesem Jahr legten unsere Schüler im Schelder Wald wieder fleißig Hand an. Allerdings nicht wie traditionell in den Eichenflächen des Wiederaufforstungsprojektes "Kyrill" (siehe Extrabericht), sondern unweit der Haltestelle Oberscheld-Herrnberg entlang des Weiherbachs.

Auf Initiative des Forstamtes Herborn wurde unter der Leitung von Forstwirtschaftsmeister Jens Müller und seinem Team ein neues Waldwiesen-Projekt gestartet.

Waldwiesen sind wertvolle Biotope für vielerlei Pflanzenarten wie seltene Orchideen oder Gräser. Insbesondere innerhalb großer Waldgebiete sind es gerade die eingestreuten Waldwiesen, die den Waldtieren einen wichtigen Nahrungsraum bieten, besonders Insekten wird hier ein fruchtbarer Lebensraum geboten. Diese wiederum stellen eine wichtige Nahrungsquelle für die meisten Vogel- und die im Schelderwald heimischen Fledermausarten dar. An ihren Rändern finden zudem Schmetterlinge und Waldameisen günstige Lebensbedingungen. Besonders in Zeiten des großflächigen Insektensterbens sind solche Entwicklungsvorhaben notwendig und bedeutsam, was den teilnehmenden Biologiekursen durch die Vermittlung der ökologischen Zusammenhänge von Jens Müller anschaulich nähergebracht wurde. Und so griffen die WvO-Schüler gemeinsam mit ihren betreuenden Lehrern beherzt zu Säge und Astschere und rückten den sich auf der Fläche ausbreitenden Pappeln, Holunder- und Haselnusssträuchern zu Leibe. Durch den tatkräftigen Einsatz der Lerngruppen konnten schon nach wenigen Tagen große Flächen von der "Verbuschung" befreit werden. Mit Hilfe eines Traktors wurde der Gehölzschnitt auf große Haufen gelagert, die sich im Laufe der Zeit für Vögel, Insekten, Reptilien und Kleinsäuger zu einem zusätzlichen Lebensraum entwickeln, vielleicht findet sogar die Wildkatze eine Kinderstube in einem der Haufen.

Am Donnerstag und Freitag kam vor den Augen der Projektteilnehmer eine ganz besondere Maschine zum Einsatz. Um die überzähligen Holzreste zu beseitigen und die Fläche für die Ausbringung der speziellen Waldwiesensaatmischung vorzubereiten wurde ein großer Mulcher mit Raupenantrieb eingesetzt. Am Ende der Woche zeigten sich die Mitarbeiter des Forstamtes Herborn und die begleitenden Lehrer höchst zufrieden mit den erreichten Ergebnissen. Durch die finanzielle Unterstützung der Naturlandstiftung Lahn-Dill e.V. sowie des Förderkreises Naturschutzzentrum Hessen konnte die Schülerbeförderung auch in diesem Jahr übernommen werden und somit war es erneut gelungen, möglichst vielen Schülern biologische Prinzipien einer multifunktionalen Forstwirtschaft sowie ökologische Zusammenhänge im Lebensraum Wald durch schweißtreibende körperliche Arbeit zu einem einprägsamen und unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Alle waren sich einig, dass die praktische Erfahrung, aktiv die umgebenden Wälder mit ihren Wiesentälern gestalten zu können und nicht nur in einem theoretischen Unterricht kennenzulernen, eine lohnende Unternehmung darstellt. Durch das aktive Tun ist das Lernen intensiver und nachhaltiger.

Besonderer Dank gilt an dieser Stelle neben den engagierten Mitarbeitern des Forstamtes Herborn, die auch für die Schülerverpflegung vor Ort zuständig waren sowienatürlich den Schülerinnen und Schülern der Klassen 7E und des Biologieleistungskurses Q1 von Frau Hohmann, dem Grundkurs Biologie von Frau Marycz, des Kurses "Experimentelle Biologie" E1 von Herrn Grebeldinger sowie des Wahlkurses "Biologie in freier Natur" der Jahrgangsstufe 9 und der Umweltschutz AG unter der Leitung von Herrn Jung. Alle Klassen/Kurse haben auch in diesem Jahr das ökologische Bild des Schelder Walds nachhaltig geprägt.

Neben der Aussaat der Waldwiesenmischung stellt das aktive Offenhalten der Wiesenfläche auch in Zukunft eine bedeutsame Tätigkeit für unsere Schülergruppen dar. Zudem sollen in den Wintermonaten in der Schulwerkstatt Insektenhotels und Fledermauskästen konstruiert und angefertigt werden, um den heimischen Arten zusätzliche Lebensräume vor Ort bieten zu können.

©2018 Text: J. Arnold (Forstamtsleiter) / T. Jung
Bilder: J. Müller (Forstwirtschaftsmeister) / T. Jung

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